In dieser Woche vor 62 Jahren...

kam es zum Theaterkonflikt.

Vor dem Krieg hatte Münster drei Theater: Den ehemaligen Adelshof der Familie Romberg, das Lortzingtheater und die Stadthalle – alle drei an der Neubrückenstraße. Nach dem Krieg gab es nur noch improvisierte Notunterkünfte.

Doch zur katastrophalen Ernährungslage kam der Hunger nach Kultur: Schon fünf Monate nach Kriegsende tagte Münsters Kulturausschuss. Allerdings dauerte es fünf Jahre, bis ein Neubau des Theaters beschlossen wurde.

Doch Münster war nicht nur immer noch stark zerstört, sondern auch völlig pleite. Die »Theaterfrage« wurde zum Streitthema. Die Sozis meinten, Münster brauche Wohnungen, Schulen und ein neues Stadtbad dringender als ein Theater. Die CDU meinte, ein Theater sei besonders für die Jugend wichtig, damit die jungen Leute »nicht völlig dem Kino verfallen«. Andere fanden, es müssten eben mehr Operetten gespielt werden, um das Geld für den Neubau aufzubringen und überhaupt solle das Theater ein privates Wirtschaftsunternehmen statt ein Subventionsbetrieb sein.

Der Gebäudekomplex des »Kulturforums« an der Neubrückenstraße vor dem Neubau des Theaters.

Den Höhepunkt erreichte die Debatte, als der Neubau von Stadtbad und Clemenshospital gegen das neue Theater ausgespielt wurde. Es gründete sich schließlich eine Bürgerinitiative, um den Theaterbau mit Spendensammlungen und Werbekampagnen voranzutreiben. Als der Bau endlich beschlossen wurde, folgte sogleich der Streit um die verschiedenen Planungsentwürfe...

Der Gebäudekomplex des »Kulturforums« an der Neubrückenstraße
vor dem Neubau des Theaters.

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Autor: Carsten Krystofiak

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