In dieser Woche vor 62 Jahren...

wurde das Karstadtloch geschlossen.

In den »Goldenen Zwanzigern« expandierte der Kaufhaus-Konzern Karstadt. 1929 sollte es auch in Münster soweit sein: Die Baugrube an der Salzstraße war bereits ausgehoben. Doch wegen der mit dem »Schwarzen Freitag« beginnenden Weltwirtschaftskrise wurde nichts aus dem Bau.

Später verhinderte der verbissene Widerstand der münsteraner Kaufmannschaft die Pläne. Die Kaufleute der Innenstadt wollten auf keinen Fall einen so großen Konkurrenten in die City lassen. So gähnte dreißig Jahre (!) ein großes Loch in der Innenstadt.

Eine Treppe die man gar nicht steigen muss – Wahnsinn! Karstadt brachte ein Wunder nach Münster.

Die Münsteraner hatten sich längst an das »Karstadtloch« gewöhnt. Lediglich eine improvisierte Ladenzeile zweigeschossiger Geschäfte siedelte sich am Rand der Brache an. Doch dann nahm Karstadt seine Baupläne wieder auf. Der Widerstand der Kaufleute brach zusammen – Karstadt kam!

Architektonisch machte das Kaufhaus wenig her, neben Lamberti und Dominikanerkirche wirkte es geradezu hässlich. Doch innen präsentierte sich ein schlaraffenmäßiges Warenangebot. Und sogar Rolltreppen gab es – ein bis dahin in Münster unbekannter Luxus. So zog Karstadt vom ersten Tag Ströme staunender Kunden an.

Zwanzig Jahre später war die Pracht allerdings reichlich abgerockt und die Moderne der 50er Jahre längst zur Antiquität geworden. Anfang der 1980er wurde das Kaufhaus abgerissen und durch den Neubau ersetzt.

Eine Treppe die man gar nicht steigen muss – Wahnsinn!
Karstadt brachte ein Wunder nach Münster.

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100 Zeitzeichen aus der na dann-Serie. 212 Seiten, Oktober-Verlag

Autor: Carsten Krystofiak

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