In dieser Woche vor 100 Jahren...

tauchten Leichenteile am Aasee auf.

Der »Rohrbach-Mord« war nicht der einzige Kriminalfall, bei dem Leichenteile am Aasee gefunden wurden. Schon fünfzig Jahre zuvor machten Münsteraner grausige Funde unter der Goldenen Brücke.

Mitten in Pluggendorf lebte die Wahrsagerin Maria Stolle. Nebenbei nahm sie als »Engelmacherin« illegal Abtreibungen vor. Eines Tages ging die »Operation« schief: Ihre Nachbarin Klementine Lindemann verblutete während des Eingriffs. Nun hatte Stolle eine Leiche zuviel im Haus. Um die Sache zu vertuschen, zerstückelte Stolle ihre Nachbarin und schaffte die Leichenteile nach und nach fort.

Bei Haus Kump am Aasee versteckte die »Engelmacherin« die Beine ihrer Nachbarin unter einem Laubhaufen.

Spielende Kinder fanden an der Himmelreichallee den ersten Sack in der Aa. Er enthielt den Kopf. Der zweite mit dem Rumpf hatte bereits die Stadt durchquert und war am Schlachthof (heute Rjasanstraße) an einem Pumpwerk-Gitter hängengeblieben. Münster war in heller Aufregung. An den Wochenenden durchstöberten Scharen von Hobby-Detektiven jedes Gestrüpp. Schließlich stöberte Jagdhund Pluto die fehlenden Beine in einem Laubhaufen bei Haus Kump auf.

Als sich ein Zeuge meldete, der Maria Stolle nachts mit einem Sack über der Schulter gesehen hatte, wurde die »Engelmacherin« überführt. Sie war voll geständig. Da das Gericht einen Mord ausschloss, entging sie der Todesstrafe. Das Urteil lautete acht Jahre Zuchthaus. Sehr zur Enttäuschung vieler missgünstiger Zuschauerinnen im Gerichtssaal, die ihr das Fallbeil gewünscht hatten.

Bei Haus Kump am Aasee versteckte die »Engelmacherin«
die Beine ihrer Nachbarin unter einem Laubhaufen.

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Autor: Carsten Krystofiak

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