In dieser Woche vor 48 Jahren...

wurden Promis und Politiker angeklagt.

Um seinen exklusiven Karnevalsverein »Paohlbürger« noch attraktiver zu machen, erfand Willy Eichel ein Event-Format: Das Tennengericht. Die Idee war, prominente »Angeklagte« zu einer humoristischen »Gerichtsverhandlung« vorzuladen. Aus dem Comedy-Konzept wurde ein Top-Treffen für Politik und Wirtschaft.

Schon die erste Sitzung im Mühlenhof am Aasee war groß besetzt. Das »Gericht« der Paohlbürger bestand aus Juristen, Behördenleitern, Ratsherren, Stadtdirektoren, Journalisten. Die Angeklagten kamen aus der Lokal- und Landespolitik.

1983 sollte sogar Franz Josef Strauß zum Tennengericht kommen, blieb aber zuhause.

In den 1980er Jahren waren die Paohlbürger auf dem Höhepunkt: Zu den Mitgliedern zählten Spitzen aus Wirtschaft, Verwaltung und Stadtrat. Bundesminister folgten ihren Einladungen, das Fernsehen übertrug live. Das einflussreiche Netzwerk der Paohlbürger war nicht nur an der Publicity interessiert, sondern auch an der Vereinsmitgliedschaft führender Politiker.

Doch dann folgte der Abstieg: Von Unterschlagungen und Streitereien zerrüttet, schlitterten die Paohlbürger in die Krise. Immer weniger hohe Politiker und echte Promis kamen zum Tennengericht. Der karnevalistische Spaß war längst Profit und Marketing geopfert worden.

Eichels Erfolgsidee wurde bedeutungslos. Heute sind die Paohlbürger wieder das, was sie am Anfang waren: Ein normaler Karnevalsverein.

1983 sollte sogar Franz Josef Strauß zum Tennengericht kommen,
blieb aber zuhause.

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Autor: Carsten Krystofiak

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