In dieser Woche vor 27 Jahren... kam es zum Kampf um die Linden.

kam es zum Kampf um die Linden.

»Stadt im Lindenkranz« wird Münster poetisch genannt. Damit ist natürlich die Promenade gemeint. Früher standen hier zahlreiche alte Silberlinden, die den Münsteranern schwer ans Herz gewachsen waren. Doch dann braute sich Unheil zusammen:

Das Grünflächenamt hatte festgestellt, dass die Linden nicht gesund waren. Die Stadt wollte kein Risiko eingehen und beschloss, dutzende Bäume im Bereich Zwinger zu fällen. Doch die Ankündigung der Sägearbeiten löste einen aggressiven Shitstorm aus! Durch alle Alterskohorten, sozialen Schichten und politischen Lager formierte sich entschlossener Widerstand!

Nachdem zuvor mehrere Promenaden-Linden umgestürzt waren, entschied sich die Stadt zum Radikalschnitt.

Die Stadt war ratlos. Hier trafen drei Faktoren zusammen: Zum einen die im Deutschen veranlagte Liebe zum Wald, die sich in einer Linie von den heiligen Stätten der Germanen über die Dichtung der Romantik bis zu den heutigen Bestattungs-Hainen zieht. Zum anderen die allgemeine Angst der Deutschen vor dem »Waldsterben« und drittens die ausgeprägte Protestkultur der 1980er, als Hunderttausende Buttons und Aufkleber mit dem Spruch »Baum ab? Nein, danke!« trugen.

Die Stadtverwaltung ging auf Nummer Sicher und ließ die Rodung durch ein Riesenaufgebot der Polizei sichern: Auf der einen Seite der Polizistenkette die Motorsägen, auf der anderen emotionale Empörung. Es dauerte sehr lange, bis sich die Münsteraner mit den neu gepflanzten Bäumen anfreundeten.

Eine weit größere Abholzung verursachte später der Orkan »Kyrill«, gegen den sich aber schlecht protestieren ließ...

Nachdem zuvor mehrere Promenaden-Linden umgestürzt waren,
entschied sich die Stadt zum Radikalschnitt.

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Autor: Carsten Krystofiak

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