In dieser Woche vor 69 Jahren...

trat Münsters Gestapo ab.

In Münster war der Krieg gut vier Wochen früher aus, als in Berlin. Kurz zuvor kam es allerdings noch zu einem Akt von Barbarei: Im Innenhof des Zwingers wurden siebzehn kriegsgefangene russische Zwangsarbeiter von Gestapo-Beamten erschossen. Die spätere Ermittlung der Täter zog sich bis in die 1960er Jahre hin. Die Strafverfolgung war kompliziert: Alle Gestapo-Angehörigen versuchten, ihre eigene Rolle möglichst unbedeutend darzustellen und stattdessen ihre Kollegen zu belasten.

Feststellen ließ sich für den Tag der Tat aber folgendes: Münsters Gestapo-Belegschaft hatte die Zentrale an der Gutenbergstraße aufgelöst und wollte sich mit Autos und Fahrrädern aus dem Staub machen und untertauchen.

Doch mitten in den hektischen Aufbruch platzte der berüchtigte Durchhalte-Fanatiker Ludwig Hahn. Babyface Hahn war als eiskalter Killer gefürchtet. Sein Auftrag: Fahnenflucht verhindern.
Hahn vermasselte den Gestapo-Männern das gemeinsame Abhauen und kommandierte die ganze Truppe an »Münsters Ostfront«, im Maikottenwäldchen hinterm Kanal. Die Kampfstellung gab eine Woche später wegen Munitionsmangel auf. Inzwischen hatten die Gestapoleute aber noch Zeit gefunden, belastende Akten zu verbrennen.

Münsters »Ostfront« in glücklicherweise chilligeren Zeiten als kurz vor Kriegsende.

Von den 21 Angeklagten der münsteraner Gestapo wurden nur vier hingerichtet – dann wurde das Knowhow der Gestapo von den USA im Kalten Krieg benötigt...

Münsters »Ostfront« in glücklicherweise chilligeren Zeiten als kurz vor Kriegsende.

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Autor: Carsten Krystofiak

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