In dieser Woche vor 12 Jahren...

wurde Euthymias Kapelle neueröffnet.

Emma Üffing trat mit zwanzig Jahren in den Orden der Clemensschwestern ein. Sie wünschte sich den Schwesternnamen »Maria Euthymia«. Im Krieg war sie als Krankenschwester für die medizinische Versorgung Kriegsgefangener zuständig. Später übernahm sie die Krankenhauswäscherei. 1955 starb sie an Krebs.

Eine ihrer Mitschwestern aus der Wäscherei hatte bei einem Arbeitsunfall schwerste Verletzungen erlitten, als ihre Hand in eine Bügelmaschine geriet. Nachdem sie am offenen Sarg Euthymias eine Fürbitte sprach, war die Hand in nur zwei Tagen wiederhergestellt. Wunderheilung! Darum wurde umgehend die Seligsprechung beantragt.

Wenn‘s hilft... aber bei der Neun-Tage-Andacht bitte nicht die Kerzen brennen lassen!

Das langwierige Prüfungsverfahren zog sich bis 2001 hin. Schließlich sprach der Papst Maria Euthymia selig. Aus Handknochen ihrer exhumierten Leiche wurden Reliquien gewonnen, die Weihbischof Tebart van Elst (!) persönlich in Kirchen des Münsterlandes in die Altäre einsetzte. Doch da hatte Schwester Euthymia längst eine solide Fanbase in Westfalen. Keine Bibel, in der nicht ihr Konterfei mit dem etwas merkwürdigen Marty-Feldman-Blick gesteckt hätte.

Um die Seligsprechung angemessen zu würdigen, errichtete das Bistum Münster auf dem Zentralfriedhof eine Grabkapelle für Euthymia. Doch Allerseelen brannte die Kapelle wegen der Vielzahl der von ihren Verehrern aufgestellten Kerzen ab. Erst nach sechsmonatiger Renovierung konnte der Fürbittenbetrieb wieder aufgenommen werden.

Wenn‘s hilft... aber bei der Neun-Tage-Andacht bitte nicht die Kerzen brennen lassen!

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Autor: Carsten Krystofiak

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