In dieser Woche vor 29 Jahren...

gab‘s Theater im Pumpenhaus.

Münsters große Studentenszene hatte in den Siebzigern zu einer bunten Vielfalt kleiner, aber engagierter Theatergruppen geführt, die meistens sozialpolitische Botschaften transportieren wollten. Diese »freien Theater« schlossen sich in der »Theaterinitiative Münster« (TIM) zu einem Verein zusammen. Mit städtischer Unterstützung bezog der Verein das ehemalige Abwasser-Pumpwerk am Ende der Gartenstraße: Das Theater im Pumpenhaus war geboren. Damit besaß Münster das erste nicht-städtische (»freie«) Theater in Nordrhein-Westfalen und eines der ersten in ganz Deutschland. Als erste Produktion wurde das Wiedertäuferstück »Herz der Freiheit« aufgeführt.

Modernes Theater ist zwar manchmal etwas merkwürdig, aber dafür oft textilfrei...

Doch die Eigenproduktionen brachten das Projekt wirtschaftlich an die Leitplanke. 1999 war Schluss, die TIM löste sich auf. Ludger Schnieder krempelte die Struktur des unrebtablen Betriebes radikal um. Ab sofort keine Eigenproduktionen mehr! Stattdessen bot das Pumpenhaus anderen freien Ensembles eine hochprofessionelle Infrastruktur als Plattform. Von der Amateurbühne wurde das Pumpenhaus zum Dienstleister für internationale Theaterlabels. Das Konzept funktionierte, auch wenn einige Idealisten es als kommerziellen »Ausverkauf« kritisierten.

Heute dient das Pumpenhaus als Produktionsort für lokale bis internationale Gastspiele, muss aber ständig gegen Kürzungen der Fördergelder aus Steuermitteln kämpfen.

Modernes Theater ist zwar manchmal etwas merkwürdig,
aber dafür oft textilfrei...

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Autor: Carsten Krystofiak

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