In dieser Woche vor 5 Jahren...

starb Werner Ott am Coesfelder Kreuz.

Gegenüber der Mensa am Coesfelder Kreuz steht ein Lüftungshäuschen. Der Abluftstrom der Unigebäude wärmte zwei Jahrzehnte die provisorische Bude des Obdachlosen Werner Ott. Der Wohnungslose hatte sich Ende der 1980er Jahre an der Rückseite der Entlüftung aus Planen und Brettern eine Behausung improvisiert.

Die Uni tolerierte die Gerümpel-Lagerstätte. Ott versorgte sich in der Mensa mit Trinkwasser. Unterstützungsangebote der Stadt, etwa eine Unterbringung im Haus der Wohnungslosen, lehnte er hartnäckig ab. Er blieb ein Einzelgänger. Nur seine Katze leistete ihm Gesellschaft.

20 Jahre Wohnsitz Lüftungsschacht: Zur Fußball-WM hatte auch Werner Ott sein Fähnchen draußen.

Regelmäßig besuchten ihn auch Sozialarbeiter und erkundigten sich nach seinem Gesundheitszustand. Der verschlechterte sich bald zusehends. Ott setzten nach zwanzig Jahren nicht nur harte Winter zu. Öfters wurde er von Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten Gievenbecks überfallen und mit Steinen beworfen. Zuletzt vor seinem 75. Geburtstag im April 2009. Die Lokalmedien berichteten diesmal über den Vorfall.

Wenige Wochen danach verstarb Ott. Ein Passant entdeckte den Toten nachmittags neben seiner Unterkunft. Die Uni ließ die Hütte umgehend Abräumen, um »Nachmieter« fernzuhalten. Das Haus der Wohnungslosen veranstaltete im kleinen Rahmen eine Gedenkfeier für den Verstorbenen.

20 Jahre Wohnsitz Lüftungsschacht: Zur Fußball-WM hatte auch Werner Ott sein Fähnchen draußen.

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Autor: Carsten Krystofiak

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