In dieser Woche vor einem Jahr...

flog der Punk-Polizist auf.

In den Sommerferien tauchten plötzlich in ganz Deutschland Flugblätter und Plakate auf, die für ein bundesweites Punktreffen in Hannover warben. Auch in Münster sorgte die Nachricht für Begeisterung in der Punkszene.

Hintergrund: Das Land Niedersachsen plante eine »Punker-Kartei«, um Straftaten aus diesem Milieu effektiver ermitteln zu können. Die Punks in Hannovers Fußgängerzöne fühlten sich dadurch diskriminiert und wollten mit landesweiter Unterstützung dagegen protestieren. In Wahrheit ging es aber eher darum, möglichst viel Bier zu vernichten.

Zumindest sollte das Event ein Anlass sein, die gerade erst einsetzende Spaltung von Punk- und Skinhead-Szene wieder zu kitten. Die »Chaostage« standen darum unter dem Motto »Die Wende«. Es sollte eine »Wiedervereinigung« von Punks und Skins werden. Doch die schon ins Rechtsextreme gedrifteten Skins riefen dagegen zu einer Jagd auf Punks in Hannover auf. D

Die »Chaostage« waren eine sportliche Begegnung zwischen Punks und Polizei. Ein Münsteraner spielte in beiden Teams.

arum bekam die Polizei alle Hände voll zu tun. Bei der Verhaftung eines marodierenden Punks aus Münster staunten die Beamten nicht schlecht: Der Randalierer war im Zivilberuf münsteraner Polizist! Die Meldung sorgte für Schlagzeilen. BILD schrieb: »Punker als Polizist - jetzt wurde er entlassen!«. Der Punk-Polizist verlor nicht nur seinen Job, sondern auch einige Kumpels in Münsters Punkszene, als sein »Berufsgeheimnis« aufflog. Später wurde er Türsteher im Odeon-Club an der Frauenstraße...

Die »Chaostage« waren eine sportliche Begegnung zwischen Punks und Polizei. Ein Münsteraner spielte in beiden Teams.

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Autor: Carsten Krystofiak

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