In dieser Woche vor 98 Jahren...

kam die Tussi auf den Markt.

Das pharmazeutische Handelsblatt veröffentlichte eine Anzeige des Ingenieurs Hugo Perschbacher. Darin wurde die Eintragung des Mineralwasserwerks »Teutoburg« in das Handelsregister bekannt gegeben. Gegenstand des Unternehmens war »die Herstellung von Tafelwasser, Limonaden und Erfrischungsgetränken«. Der Firmensitz war an der Hammer Straße 373, gegenüber einer Brache, auf der vierzehn Jahre später das Preußenstadion gebaut wurde.

In Konkurrenz zur Germania-Brauerei, die ebenfalls alkoholfreie Getränke herstellte, erfanden die Teutoburg-Produktmanager einen echten Megaseller: Die Limonadenmarke »Thusnelda« wurde dank Marketingbudget zur Bionade der Kaiserzeit. Laut Reklame war Thusnelda »in allen Hotels, Restaurants, Cafés und Gartenwirtschaften in Münster und Umgegend« erhältlich.

Die »trauernde Barbarin« in Florenz soll Thusnelda darstellen. Als Werbefigur eigentlich nicht übel.

Dem Zeitgeist der Epoche entsprechend bekam das Produkt einen patriotischen Namen, wie auch das Germania-Bier oder Münsters Zigarettenmarke »Dreizehnlinden« nach dem Heldenepos von Friedrich Wilhelm Weber. Thusnelda war nämlich die Tochter des Cheruskerfürsten Segestes, die - mit ihrem Einverständnis - von Arminius (Hermann) entführt und geheiratet wurde.

Durch Kleists schwülstiges Drama »Die Hermannschlacht«, das etliche Schülergenerationen quälte, bekam Thusnelda das Negativimage der nervenden »Tussi«. Ein PR-Desaster für den Markennamen. Die Teutoburg GmbH war bald Geschichte.

Die »trauernde Barbarin« in Florenz soll Thusnelda darstellen.
Als Werbefigur eigentlich nicht übel.

Jetzt im Handel: Münster - Jede Woche hat ihre Geschichten.
100 Zeitzeichen aus der na dann-Serie. 212 Seiten, Oktober-Verlag

Autor: Carsten Krystofiak

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