In dieser Woche vor 22 Jahren...

haute Götz den Gong.

Ausgerechnet beim öffentlich-rechtlichen NDR erfanden Programmredakteure Anfang der 1980er ein Sendeformat (natürlich nach US-Vorbild), dass später zur Mutter aller Trash-Castingshows werden sollte: Die »Gong-Show«. Hier konnten sich selbsternannte Talente in allen Disziplinen blamieren.

Zwölf Jahre später belebte RTL das schon vergessene Format neu - mit Götz Alsmann als Moderator. »Sänger«, die nicht singen konnten, Comedian-Prototypen, die kein bißchen witzig waren oder völlig talentfreie Spinner – Götz warf sie einer schlagfertigen Jury vor, in der u.a. Ingolf Lück, später auch Wigald Boning saßen. War die Performance der Kandidaten zu unterirdisch, schlug Alsmann einen riesigen Gong, der den Auftritt abbrach.

Der Urahn aller Castingshows: Wer nervte, wurde gnadenlos ausgegongt – Buzzer gab es nämlich noch nicht.

Natürlich weinten die üblichen Ernstnehmer über »Diskriminierung« und »Erniedrigung« der freiwilligen Teilnehmer. Die TV-Zeitschrift »Gong« distanzierte sich von dem Konzept. Schon ein Jahr später wurde die Sendung eingestellt. Erst ein Jahrzehnt danach holte sie Sat1 für eine Staffel wieder aus der Mottenkiste, allerdings ohne Götz, der inzwischen bei»Zimmer frei« Besseres zu tun hatte.

Seitdem ruht die Sendung auf dem großen Friedhof der erfolglosen Fernsehproduktionen. Eigentlich gebürt ihr aber größerer Ruhm, denn die Gongshow war der Pate für DSDS, Das Supertalent und all die anderen Castingshows. Nur der Gong wurde längst zeitgemäß durch Buzzer ersetzt.

Der Urahn aller Castingshows: Wer nervte, wurde gnadenlos ausgegongt – Buzzer gab es nämlich noch nicht.

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Autor: Carsten Krystofiak

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