In dieser Woche vor 15 Jahren...

starb Moondog in Münster.

Louis Thomas Hardin wurde 1916 im »Bible-Belt« der USA geboren. Beim Spielen mit Dynamit verlor er sein Augenlicht. Trotzdem wurde er Musiker und ging nach New York. Dort wurde er als Straßenmusikant im Wikingerkostüm eine lokale Berühmtheit. Er traf mit Stars wie Charlie Parker zusammen und nahm Platten auf.

1974 blieb er nach einem Konzert in Deutschland. In Recklinghausen machte er zunächst wieder Straßenmusik. Doch eine junge Studentin erkannte sein Potential, verpasste ihm einen Imagewechsel (das Wikingerkostüm wurde eingemottet) und übernahm das Management. Von nun an ging‘s bergauf.

Das ist nicht Magier Gandalf, sondern Musiker Moondog, der von New York nach Münster kam.

Das erste große Konzert fand im Landesmuseum Münster statt. Zuschauer, Orchester und Kritiker waren irritiert: Der skurrile Komponist und Dirigent hatte deutsche Volkslieder zu einer Mischung aus klassischer Sinfonie und Freejazz verarbeitet. Doch Moondogs merkwürdige Musik fand international ernsthafte Beachtung. Ihm gelang sogar ein überraschendes Comeback in New York. Trotzdem hielt er sich weiterhin überwiegend in Münster und im nördlichen Ruhrgebiet auf. Seine Managerin wachte streng über seine Schritte und Kontakte, doch hin und wieder konnte man den alten Kauz mit dem markanten Rauschebart über den Hansaring spazieren sehen.

1999 starb Moondog mit 83 Jahren in Münster an Herzversagen. Sein Grab ist auf dem Zentralfriedhof.

Das ist nicht Magier Gandalf, sondern Musiker Moondog,
der von New York nach Münster kam.

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Autor: Carsten Krystofiak

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