In dieser Woche vor 14 Jahren...

In dieser Woche vor 14 Jahren...
wurde der Jordan versenkt.

Sucht man nach Spuren der Wiedertäufer, blickt man zuerst auf die Käfige am Lambertikirchturm. Dabei war die Sektenzentrale nur schräg gegenüber: In den Häusern Prinzipalmarkt 29 (heute Oeding-Erdel) und 41 (heute Viehoff) wohnten 1534 die beiden neuen Bürgermeister der Wiedertäufer, Kibbenbrock und Knipperdollinck. Bei ihnen zuhause lagen die Listen aus, in denen sich alle Münsteraner eintragen und ihre Zwangstaufe vermerken lassen mussten. Diese spielte sich so ab: Vor dem Haus stand ein Eimer Wasser, vor dem die registrierten Personen zu knien hatten und mit drei Handvoll Wasser begossen wurden. Wer die Prozedur verweigerte, musste die Stadt verlassen.

Durch die Scheibe sieht man das Jordanwasser unter dem Prinzipalmarktpflaster gluckern.

Im Jahr 2000 markierte der münsteraner Künstler Adolph Knüppel die Stelle mit einem Bodenrelief. Zwischen den beiden Bürgermeisterhäusern, vor dem Haus Nr. 34 ließ er einen mit Wasser gefüllten Metallzylinder im Kopfsteinpflaster versenken. Das Wasser stammt aus einem alten unterirdischen Brunnen unter dem Prinzipalmarkt, der schon zur Wiedertäuferzeit existierte und zu einem Teil aus dem Jordan! Man kann also auch auf dem Prinzipalmarkt »über den Jordan gehen«. Durch eine Glasscheibe schaut man ins Innere des Gefäßes. Zusätzlich versah Knüppel jeweils eine Gehwegplatte unter dem Bogengang mit den Namen Kibbenbrock und Knipperdollinck vor deren früheren Adressen.

Durch die Scheibe sieht man das Jordanwasser unter dem Prinzipalmarktpflaster gluckern.

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Autor: Carsten Krystofiak

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