In dieser Woche vor 68 Jahren...

war das Rathaus am Ring.

Als Ersatzrathaus ganz passabel, aber ohne Prinzipalmarkt nur halb so schön.

Um im zerstörten Münster wieder eine Lebensgrundlage zu schaffen, musste die britische Besatzungsmacht möglichst rasch eine neue Organisationsstruktur aufbauen. Das war nicht so einfach: Die Militärregierung für den Regierungsbezirk fand in Münster kein geeignetes unzerstörtes Gebäude und musste nach Warendorf umziehen. Für Münsters neue Stadtverwaltung beschlagnahmte der englische Major das ehemalige preußische Oberfinanzpräsidium am Hohenzollernring, Ecke Warendorfer Straße, denn während das Rathaus noch in Trümmern lag, war dieses Gebäude fast unversehrt geblieben. Die Briten ernannten Karl Zuhorn zum Oberbürgermeister. Zuhorn war schon vor dem Krieg Oberbürgermeister gewesen, bis die Nazis ihn rauswarfen.

Seine dringendsten Aufgaben waren Wiederaufbau, die Beseitigung der krassen Wohnungsnot und eine Verbesserung der Ernährungslage. Zur Unterstützung hatten die Briten einen zwölfköpfigen Beirat bestimmt. Doch Zuhorn beantragte bei der Militärkommandantur die Bildung eines demokratischen Stadtparlamentes. Der Antrag wurde genehmigt, aber die Briten behielten sich die Aufteilung der Ratssitze für die inzwischen gegründeten Parteien vor: CDU und SPD bekamen jeweils sechs Vertreter. Im Oktober konnte der erste neue Stadtrat im provisorischen Rathaus am Hohenzollernring erstmalig tagen. Die Bevölkerung war als demokratische Übung ausdrücklich zur Teilnahme eingeladen.

Als Ersatzrathaus ganz passabel,
aber ohne Prinzipalmarkt nur halb so schön.

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Autor: Carsten Krystofiak

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