In dieser Woche vor 401 Jahren...

kam es zum Mord im Dom.

Die Geschichte beginnt im »Zwölf-Männer-Haus«, dem städtischen Armenhaus am Katthagen, das eben Platz für zwölf obdachlose Männer bot. Heute ist an seiner Stelle der Schulhof der Paul-Gerhardt-Schule.

Am Karfreitag hatte sich Bewohner Vincke bei der Armenspeisung im Dom zweimal angestellt und sich beim zweiten Mal als sein Mitbewohner Bennink ausgegeben. Vincke kassierte doppelte Ration, Bennink ging leer aus. Darüber stritten die beiden derart heftig im Zwölfmännerhaus, dass Bennink fristlos rausflog und mal seine Habe mitnehmen konnte.

Tatort Dom: Als strafverschärfend wertete der Ersatzrichter, daß der Mord an einem geweihten Ort verübt wurde.

Nun lungerte er wieder als Penner in Münster herum und wärmte sich gelegentlich im Dom auf.
Dort sah er Mitte November unverhofft Vincke, der weiterhin im Nichtsesshaften-Asyl wohnte und von den Spenden der Stiftung lebte. Nach dem Ende der Predigt stellte er ihn zur Rede, doch Vincke ließ ihn überheblich abblitzen. Bennink sah rot, zog ein Messer und stach den Intimfeind mitten unter den Dombesuchern nieder.

An Ort und Stelle verhaftet, kam Bennink in den Knast, der sich hinter Rathaus befand. Doch als man ihm den Prozess machen wollte, war der Richter nicht auffindbar. Berittene Boten schwärmten aus, um ihn zu suchen; die Kirchenglocken wurden als Such-Signal geläutet. Keine Spur. Da ungewiss blieb, ob der Gesuchte vielleicht länger verreist war, wurde kurzerhand ein Ersatzrichter ernannt. Das Todesurteil überraschte niemanden, es wurde im selben Monat vollstreckt.

Tatort Dom: Als strafverschärfend wertete der Ersatzrichter,
daß der Mord an einem geweihten Ort verübt wurde.

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Autor: Carsten Krystofiak

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