In dieser Woche vor 21 Jahren...

wurden die Wiedertäufer verfilmt.

Vagabund Sebastian hat die schöne Engelke vor dem Galgen gerettet, jetzt zieht sie mit ihm durchs Leben. Dann hört sie vom charismatischen Prediger Jan van Leyden und will nach Münster. Sebastian ist weniger begeistert: Er kennt Jan Bockelson, der sich jetzt ‚van Leyden‘ nennt, noch von früher als Zuhälter...

So beginnt der Zweiteiler »König der letzten Tage« über das Wiedertäuferreich, den das ZDF im November an zwei Sonntagen ausstrahlte. Gedreht wurde in Tschechien; der Prinzipalmarkt mit viel Aufwand im Studio nachgebaut. Christoph Waltz (später u.a. ‚Inglourious Basterds‘) spielte Jan van Leyden, Mario Adorf seinen Gegenspieler Graf von Waldeck. Kostüme und Dekor verschlangen ein großes Budget.

Langweilige Handlung, wenig Münster-Kulisse: trotzdem war die Stadt stolz, im Fernsehen zu sein.

Wer eine Verfilmung des Wiedertäuferkapitels erwartet hatte, wurde enttäuscht: die Geschichte bildete nur die Kulisse für ein langweiliges Beziehungsdrama. So erntete der Streifen viel Kritik, besonders für den sehr lockeren Umgang mit den historischen Ereignissen. Dennoch bekam der Film ausgerechnet in der Kategorie Dokumentation eine Auszeichnung. Andere Kritiker interpretierten ein Lehrstück über die »Verführbarkeit der Massen« in die Handlung und verteilten Lobeskommentare.

Die Münsteraner erkannten ihre Stadt in dem Film kaum wieder, weil die Darsteller überwiegend in düsteren Innenräumen agieren. Gesamttenor: Wenigstens war Münster mal im Fernsehen...

Langweilige Handlung, wenig Münster-Kulisse:
trotzdem war die Stadt stolz, im Fernsehen zu sein.

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Autor: Carsten Krystofiak

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