In dieser Woche vor 421 Jahren...

wurde der erste Hexenfall dokumentiert.

Es war der erste vollständig aktenkundliche Hexenprozess in Münster: Das Verfahren gegen Anna Kirlahei. Die über 40jährige Dienstmagd stammte aus Warendorf, lebte aber schon zwanzig Jahre ledig in Münster.

Verhaftet wurde sie aufgrund anonymer Denunziation. Der Stadtrat vernahm drei Zeugen. Eine Frau sagte aus, ihr Schwein sei plötzlich tot umgefallen, nachdem die Beschuldigte es gefüttert habe. Darauf erinnerten sich auch die anderen Zeugen an einen Vorfall, der schon zwei Jahrzehnte zurücklag: Damals war ein Kind angeblich plötzlich erkrankt, nachdem Kirlahei es berührt hatte.

Zaubern war ein Kapitaldelikt! In Münster war der Stadtrat für Zaubereidelikte zuständig, nicht die Kirche.

Die Hinweise reichten für den Verdacht der Zauberei aus. Die erste Vernehmung ergab keine Aufschlüsse, enthielt aber angeblich Widersprüche. Darauf ordnete der Stadtrat die Folter an, die frühmorgens im Niesingturm (Nähe Engelenschanze) vollzogen wurde. Unter der Folter beteuerte Kirlahei weiter, das Schwein nicht vergiftet zu haben.

Am nächsten Tag stellten die Ermittler ratlos fest, dass Kirlahei tot war; ihr war »der Halß zerbrochen«. Dafür wurde der Teufel verantwortlich gemacht, der nachts in das Gefängnis eingedrungen sein musste. Die Ermittler waren in Bedrängnis, weil Kirlahei ohne Geständnis gestorben war. Wegen des teuflischen Einflusses sah man es aber als das Beste an, ihre Leiche sicherheitshalber zu verbrennen. In den nächsten 108 Jahren folgten noch 20 weitere Zaubereiprozesse in Münster.

Zaubern war ein Kapitaldelikt!
In Münster war der Stadtrat für Zaubereidelikte zuständig, nicht die Kirche.

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Autor: Carsten Krystofiak

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