In dieser Woche vor 17 Jahren...

war »Tag X« in Ahaus.

Atomkraft ist eine tolle Sache: Viel Leistung, keine Abgase, kein Ruß. Leider gibt‘s ein paar ungelöste Probleme, z.B. den radioaktiven Müll, niemand vor der Haustür haben will.

1977 plante die Atomindustrie ein Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente. Doch kein Bundesland wollte das Lager haben – bis auf NRW. Als Standort wurde Ahaus ausgesucht. 1984 begannen die Bauarbeiten, vier Jahre später war Richtfest und »Tag der offenen Tür«. Ahaus erhielt 160 Mio. DM als »Strukturhilfe«.

Mit dem Tag X begann die Tradition der Sonntags-Proteste in Ahaus. Heute ein geselliges Familien-Ritual.

Vor dem OVG Münster begann ein jahrelanger juristischer Dauerkrieg um Anträge und Klagen der Atomgegner. Stoppen konnte das den Betrieb nicht: 1994 genehmigte das Bundesamt für Strahlenschutz den ersten Atommülltransport nach Ahaus. Der erste Transport von Brennelementen aus Hamm erreicht unbemerkt sein Ziel. Insgesamt werden 305 Castor-Behälter auf 57 Transporten nach Ahaus gebracht, viele durch Münsters Hauptbahnhof. Kleinere Proteste einzelner Gruppen führen zu keinen Verzögerungen.

Doch im März 1998 mobilisiert die Anti-AKW-Szene zum »Tag X«: Der Castorzug soll gestoppt werden. Auf einer Wiese gegenüber dem BEZ errichten die Demonstranten ein Camp, das vom Verwaltungsgericht Münster verboten wird. Tausende Münsterländer protestieren gegen den Transport, darunter eine Treckerkolonne westfälischer Bauern. Bei der Räumung des Camps kommt es zu heftiger Gewalt von beiden Seiten.

Ahaus ist bis heute Drehscheibe für Atommüll.

Mit dem Tag X begann die Tradition der Sonntags-Proteste in Ahaus.
Heute ein geselliges Familien-Ritual.

Samstag, 28.3., 20 Uhr live in der Schnabulenz:
Was über Münster nicht im Stadtführer steht...
www.schnabulenz.de

Autor: Carsten Krystofiak

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