In dieser Woche vor 115 Jahren...

musste der Courier einpacken.

Ab Mitte der 90er wurde die Post in Deutschland privatisiert. Doch es war keineswegs so, dass die Post zuvor immer ein Staatsmonopol gewesen wäre. Hundert Jahre früher beförderten auch private Anbieter Briefe und Pakete.

In Münster machte der Familienbetrieb »Courier« der königlich-preußischen Post Konkurrenz.
Die vorgedruckten Karten der Privatpost wurden mit eigenen Marken und Stempeln versehen. Zugestellt wurde morgens um sieben und halb elf, sowie nachmittags um zwei und halb sechs. Allerdings nur, so der aufgedruckte Hinweis, wenn die Sendung in einen der gelben »Courier«-Briefkästen geworfen wurde. Die Briefkästen der staatlichen Post waren damals noch rot.

Dank Marktregulierung arbeitslos: Der Kaiser verbot private Postzusteller. Ver.di hätte gejubelt.

Das Unternehmen blühte, weil die privaten Unternehmer fleißig und gewinnorientiert waren.
Doch Ende März 1900 war Feierabend: Kaiser Wilhelm II. regulierte den Markt zugunsten des Staatsbetriebes und beendete den Wettbewerb der privaten Postzusteller. Eigentlich müssten Gewerkschaftler den Kaiser heute noch hochleben lassen.

Auch in Münster war Schluss mit der Privatinitiative: Der »Courier« musste den Postservice einstellen. Eine Abschiedskarte an die Kunden forderte dazu auf, den Dienst »in freundlicher Erinnerung« zu behalten.

Dank Marktregulierung arbeitslos:
Der Kaiser verbot private Postzusteller. Ver.di hätte gejubelt.

Samstag, 28.3., 20 Uhr live in der Schnabulenz:
Was über Münster nicht im Stadtführer steht...
www.schnabulenz.de

Autor: Carsten Krystofiak

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