In dieser Woche vor 68 Jahren...

sollte Münster holländisch werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Holland eine starke Annexions-Bewegung, die eine Besetzung deutscher Westgebiete forderte. Fast zweitausend Quadratkilometer Deutschland sollten an Holland fallen.

Die Pläne sahen vor, die niederländische Grenze bis an die Weser zu verschieben und von dort in einem Bogen über Warendorf, Lüdinghausen und Recklinghausen bis Düren, wo die Anschlusstelle an die »Alt-Niederlande« sein sollte. Münster wäre demnach die östlichste Stadt Hollands geworden und Warendorf ein Grenzposten zur BRD.

Mal ehrlich: Wenn‘s um Fußball geht, möchte man wirklich kein Holländer sein!

Doch die Amerikaner spielten nicht mit. Die USA hatte mehr Interesse an einem intakten Westdeutschland als Pufferzone zum kommunistischen Teil Europas, als an einem landwirtschaftlichen Groß-Holland. Als Trostpflaster bekamen die Holländer eine Milliarde Dollar aus dem »Marshall-Plan«-Programm.

Nur 50 Quadratkilometer an Rande des Münsterlandes durfte Holland besetzen; etwa tausend Deutsche im Kreis Borken wurden zu Niederländern. Grenzort wurde Suderwick, das jetzt auf holländischer Seite Zuiderwijk hieß. Als diese Deutschen merkten, dass sie vom Preisgefälle dies- und jenseits profitieren konnten, eröffneten viele von ihnen grenznahe Lebensmittelläden und machten beste Geschäfte!

1963 war die Episode nach vierzehn Jahren vorbei und Holland gab die Gebiete wieder an Deutschland zurück. Um Münsters Weihnachtsmarkt zu besuchen, müssen Holländer immer noch nach Deutschland fahren...

Mal ehrlich: Wenn‘s um Fußball geht, möchte man wirklich kein Holländer sein!

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Autor: Carsten Krystofiak

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