In dieser Woche vor 52 Jahren...

rastete Kinski aus.

Der Schauspieler Klaus Kinski hatte sich schnell auf eine Rolle festgelegt: In etlichen Fernsehfilmen spielte er den Psychopath vom Dienst mit wirrem Blick und irren Gesten.
Dieses Image zementierte er nach Kräften: Auf Lesetouren rastete er regelmäßig pressewirksam aus und beschimpfte und bedrohte das Publikum.

Auch in Münster wusste Kinski, was er seinem Ruf schuldig war. In der Aula des Paulinums las er Texte des französischen Dichter Francois Villon. Villon war der Punk des Spätmittelalters: In seinen Balladen über Sex & Crime geht es hoch her. Er selbst entkam als Krimineller nur knapp dem Galgen. Also die passende Lyrik für Schizo-Darsteller Kinski.

Der Profi-Ausraster in Action: KInski würgt seinen Regisseur.

Nach einer Weile des Rezitierens warteten die Zuhörer schon ungeduldig auf den klassischen Eklat. Kinski enttäuschte die Münsteraner nicht und fand irgendeinen nichtigen Vorwand, um völlig auszurasten und in einem vollendeten Wutanfall das Saalpublikum wüst zu beschimpfen, die Textblätter herumzuwerfen und den Auftritt in Raserei abzubrechen. Alle waren hochzufrieden, die Lokalpresse machte einen Mini-Skandal daraus, anschließend kehrte wieder Ruhe ein.

Kinski beehrte Münster nicht wieder und widmete sich bald der höheren Disziplin des kalkulierten Eklats, mit Aufkommen der Fernseh-Talkshows. Seine Tobsuchtsanfälle am Filmset wurden später noch einmal Gegenstand einer Ausstellung im westpreußischen Landesmuseum in Wolbeck, da Kinski gebürtig Danziger war.

Der Profi-Ausraster in Action: KInski würgt seinen Regisseur.

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Autor: Carsten Krystofiak

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