In dieser Woche vor 480 Jahren...

berichtete Holtzhusen live.

Der Frankfurter Justinianus von Holtzhusen erlebte die Belagerung der Wiedertäufer als ‘embedded Journalist‘ (»Krichsrat«) der bischöflichen Truppen. Seine Augenzeugenberichte sind dramatisch:

Frauen versuchen aus dem belagerten Münster zu fliehen, um ihre Kinder vor dem Verhungern zu retten. Ein gefangener Müller und ein »Buxenmeister« sagen aus, in der Stadt gäbe es nur noch Wurzeln und Sauerampfer zu essen. Sie hätten den Kreideputz von den Wänden geschabt und mit Wasser vermischt, um sich zu sättigen. Die bewaffneten Wiedertäufer hätten seit sechs Wochen keine Verpflegung mehr erhalten. Die Kämpfer seien vom Hunger so geschwächt, dass sie sich kaum auf den Beinen halten könnten. Jan van Leyden habe zwölf Adjutanten ernannt, die darüber wachen, dass niemand »Unwillen vernehmen lasse«. Vier Defätisten, die »wieder sein Regiment geredet« hätten, habe er eigenhändig hingerichtet. Knipperdollinck sei schwer erkrankt.

Holtzhusen berichtete als Kriegsreporter live von der Belagerung Münsters.

Inzwischen versorgten die Truppen von Bischof Waldeck hunderte geflohener Münsteraner. Teile der Flüchtlinge wurden in Wolbeck untergebracht. Viele seien »weiß unter den Augen wie gebleichtes Tuch« schildert Holtzhusen.

Um Druck abzulassen und die letzten Lebensmittel zu sparen, lässt der Wiedertäuferkönig nochmals hunderte Halbverhungerte aus der Stadt ziehen. Etliche werden von den Belagerern erschlagen. Hier endet der Bericht; das Täuferreich fiel vier Wochen später.

Holtzhusen berichtete als Kriegsreporter live von der Belagerung Münsters.

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Autor: Carsten Krystofiak

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