In dieser Woche vor 88 Jahren...

bauten die »Bunken« ihr Clubhaus.

Um den Jugendlichen in der schweren Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg eine Perspektive zu bieten, setzte sich der Pfarrer von »Klein Muffi« intensiv für einen Sportplatz ein. In hunderten von Arbeitsstunden entstand auf einer früheren Müllhalde am Kanal ein Fußballplatz mit Laufbahn. Der neue Sportverein nannte sich »Saxonia«. Schon bald gehörte der Club zur Spitze zwischen Rhein und Weser.

Doch das stieß nicht nur auf Applaus: Die Saxonen pflegten von Beginn an eine herzliche Antipathie zum Konkurrenten 08, der ebenfalls am Kanal trainierte. Diese Abneigung wurde aufrichtig erwidert. Während die Saxonen überwiegend aus dem Arbeitermilieu um den Hubertiplatz stammten, war der 08-Club eher akademisch geprägt: Man sah gerne auf die »Bunken von Saxonia« herab.

Bunken gegen Akademiker: Gewalt in der Regionalliga gab es schon immer – aber mit dem Einsturz der 08-Halle hat Saxonia nichts zu tun.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden beide Vereine neu gegründet, doch die alte Rivalität blieb ungebrochen. Bei »Freundschaftsspielen« der beiden Vereine war die Stimmung stets explosiv. Schiedsrichter, die von beiden Seiten verdächtigt wurden, für den jeweiligen Gegner zu pfeifen, gingen nach dem Spiel regelmäßig unfreiwillig im Kanal baden.

Eines Tages eskalierte der Streit, als ein 08-Vorstand im Vorbeigehen eine abfällige Bemerkung über Saxonia machte, die von der Frau eines Saxonen gehört wurde. Diese rannte gleich in die Umkleide und informierte die Mannschaft, die gerade unter der Dusche stand. Nackt wie sie waren, stürmten sie auf die Straße und prügelten auf den 08-Vorstand ein.

Bunken gegen Akademiker: Gewalt in der Regionalliga gab es schon immer –
aber mit dem Einsturz der 08-Halle hat Saxonia nichts zu tun.

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Autor: Carsten Krystofiak

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