In dieser Woche vor 10 Jahren... verschwand das letzte Außenklo.

In dieser Woche vor 10 Jahren... verschwand das letzte Außenklo.

Das zugemauerte Klofenster ist noch im Zwischengeschoss erkennbar (roter Pfeil).

Als das Haus Uppenbergstraße 10 saniert wurde, verschwand damit die letzte Altbauwohnung mit Außentoilette, d.h. das WC befand sich nicht in der Wohnung, sondern auf halber Treppe tiefer im Treppenhaus. Wer eilig aufs Klo musste, hatte dafür die Wohnung zu verlassen (und den Wohnungsschlüssel nicht zu vergessen!).

Dieser antike Sanitärstandard war lange typisch für das Kreuzviertel. Noch bis tief in die 1980er Jahre besaßen manche Wohnungen keine Zentralheizung (sondern Kohleöfen), keine mehrfach verglasten Fenster und weder Bad noch Dusche. Für Haushalte ohne Bad gab es stattdessen an der Wolbecker Straße ein öffentliches Wannenbad mit Duschen und Badewannen. Dieses Bad wurde bis Ende der 1970er viel frequentiert.

In manchen Altbauten verliefen die Wasserleitungen in den Außenmauern, sodass sie in rauhen Wintern einfroren. Das letzte Wohnhaus, das regelmäßig von einem Kohlenhändler beliefert wurde, dürfte die kleine Villa an der Heerdestraße/Lazarettstraße gewesen sein.

Übrigens beschwerten sich schon die Bonzen der NS-Bürokratie darüber, dass ihnen der Standard der als Dienstwohnung zugeteilten Kreuzviertel-Altbauten nicht gut genug sei und verlangten stattdessen Neubauten mit besseren Bädern und Heizung.

(Sollte es im Stadtgebiet noch nach 2006 eine Wohnung mit Außentoilette gegeben haben, bitte Nachricht an die Redaktion).

Das zugemauerte Klofenster ist noch im Zwischengeschoss erkennbar (roter Pfeil).

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Autor: Carsten Krystofiak

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