In dieser Woche vor 70 Jahren... wurde der Luftheld zum Lieferanten.

In dieser Woche vor 70 Jahren... wurde der Luftheld zum Lieferanten.

Er war der meistgefürchete Kampfflieger des Zweiten Weltkrieges: Hans Ulrich Rudel schoss alleine rund tausend alliierte Schiffe, Flugzeuge, Panzer und andere Fahrzeuge ab. Als die gängigen Orden nicht mehr ausreichten, wurden eigens für ihn neue erfunden. Bei seinen über 2.500 Einsätzen verlor er selbst nur ein Bein.

Nach rasant kurzer, eher symbolischer Kriegsgefangenschaft, ließ er sich im Münsterland nieder und machte sich in Coesfeld als Spediteur selbständig. Seine Lastwagen transportierten bald Güter aller Art quer durch Westfalen. Pritschenwagen statt Stukas; Kartoffeln statt Granaten. Doch die bürgerliche Existenz als Fuhrunternehmer für münsterländer Agrarprodukte wurde ihm schon nach einem Jahr wieder viel zu langweilig.

„Von den Stukas zu den Anden“ ... mit Zwischenstation als Kartoffellieferant im Münsterland.

Über die berüchtigte »Rattenlinie« schiffte er sich nach Südamerika ein und stieg schnell zun obersten Militärberater von Argentiniens Diktator Perón auf. Nebenbei vertrat er den Siemens-Konzern in Lateinamerika.

Seiner glühenden Hitler-Verehrung hat er nie abgeschworen – im Gegenteil. Das hinderte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aber nicht, ihm während der Weltmeisterschaft 1978 einen Ehrenbesuch abzustatten. Kapitän Berti Vogts rechtfertigte das so: „Also ich hab‘ in Argentinien keinen einzigen politischen Häftling gesehen.“ Auch eine Logik...

„Von den Stukas zu den Anden“ ... mit Zwischenstation als Kartoffellieferant im Münsterland.

Münsters Zeitzeichen-Serie aus der na dann...
gibt‘s als Band I und II im Buchhandel: Jede Woche hat ihre Geschichten...

Autor: Carsten Krystofiak

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