In dieser Woche vor 25 Jahren... bekam der Hochstapler eine Audienz.

In dieser Woche vor 25 Jahren...
bekam der Hochstapler eine Audienz.

Gert Postel ist einer der dreistesten Hochstapler aller Zeiten. Der Postbote aus Bremen mit Hauptschulabschluss fälschte die nötigen Zeugnisse und Unterlagen, um Amtsarzt für Psychiatrie zu werden. Das Fach wählte er, weil dazu keine medizinischen Fähigkeiten nötig sind, wie z.B. in der Chirurgie. Mit auswendig gelerntem Fach-Vokabular und smart-arrogantem Auftreten überzeugte er Professoren und Personalchefs. Der falsche Psychiater machte eine große Karriere: Er leitete als Chefarzt eine Klinik, schrieb Gutachten für Gerichte und hielt sogar Fachvorträge vor Kollegen. Dafür kassierte er ein dickes Gehalt. Seine Vorgesetzten überhäuften ihn mit Lob. Zweimal flog er nur durch dumme Zufälle auf.

Postler Postel beim Papst: Keine Hochstapler-Story

Zwischendurch verlegte er sich auf ein anderes Fachgebiet: Mit wiederum gefälschten Zeugnissen studierte er in Münster katholische Theologie. Vom Studi-Wohnheim in Gievenbeck zog er bald ins Priesterseminar an der Philippistraße. Er bequatschte Münsters damaligen Bischof Lettmann so ausdauernd, bis dieser ihm ein Empfehlungsschreiben für eine Audienz beim Papst verschaffte. Mit dem Brief in der Tasche wurde der Hochstapler tatsächlich von Papst Johannes Paul II. in Rom empfangen, der ihm sogar seine Bibel signierte, eine besondere Auszeichnung.

Der päpstliche Segen schützte ihn allerdings nicht vor einer Haftstrafe, nachdem er zum zweiten Mal als falscher Psychiater aufgeflogen war.

Postler Postel beim Papst: Keine Hochstapler-Story, wie dieses Foto beweist.

Münsters Zeitzeichen-Serie aus der na dann...
gibt‘s als Band I und II im Buchhandel: Jede Woche hat ihre Geschichten...

Autor: Carsten Krystofiak

Archivtexte Zeitzeichen

Carsten KrystofiakCarsten Krystofiak

Weitere Beiträge 2016