In dieser Woche vor 16 Jahren...

In dieser Woche vor 16 Jahren... verschwand die Rohrpost.

Mitte des 19. Jahrhunderts erfanden ein Franzose und ein Engländer unabhängig voneinander die Rohrpost. Dabei werden Dokumente oder kleine Gegenstände in zylindrischen Gefäßen mittels Druckluft durch ein Rohrsystem von einem Ort zum anderen geschickt. Die Erfindung erwies sich als praktisch für Börsen, Verwaltungsbehörden und auch privaten Postversand. Um 1900 hatten viele Großstädte ein weitverzweigtes Rohrpostnetz: Neben London und Berlin auch Köln und Düsseldorf.

Für Menschen nur bedingt taugliche Technik, da man am anderen Ende auf dem Kopf ankäme.

Auch in Münster gab es mehrere Rohrpostdienste. Bis heute wird im Uni-Klinikum Untersuchungsmaterial durch mehrere Rohrleitungen gepustet und gesaugt. Die letzte private Anlage in täglicher Funktion dürfte die Rohrpost in der Praxis des Hausarztes Kleeberg in der Nordstraße im Kreuzviertel gewesen sein. In der großen Altbauwohnung wurden die Rezepte per Luftdruck vom Sprechzimmer zur Rezeption und zurück gepumpt.

Mit dem Ruhestand Kleebergs und der Übernahme der Praxis durch einen Kollegen im Jahr 2000 wurde Münsters mutmaßlich letzte Rohrpost zurückgebaut. Eigentlich schade. Ursprünglich planten die Erfinder dieser Technik, auch Menschen auf diese Weise zu transportieren – was das wohl für ein irres Gefühl wäre!
(War Kleebergs Rohrpost gar nicht die letzte private? Dann bitte Meldung an die Redaktion.)

Für Menschen nur bedingt taugliche Technik, da man am anderen Ende auf dem Kopf ankäme.

Münsters Zeitzeichen-Serie aus der na dann...
gibt‘s als Band I und II im Buchhandel: Jede Woche hat ihre Geschichten...

Autor: Carsten Krystofiak

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