In dieser Woche vor 12 Jahren... verschwand die Wohlfühl-Insel.

In dieser Woche vor 12 Jahren... verschwand die Wohlfühl-Insel.

Der zweite Bauabschnitt der Arkaden hatte begonnen. Wo jetzt Münsters City-Mall in die Höhe wuchs, war zuvor die Sparkassen-Passage, die seit den 1970ern Ludgeristraße und Rothenburg verband: Ein finsterer, niedriger Schlauch. Viele Passanten nutzten viel lieber die Eingänge der hellen Sparkassenzentrale als Abkürzung.

Der Ruheraum der City-Alkis – bis die Schwarzeneggers kamen... und dann die Abrissbirne.

Im großzügigen Schalter-Foyer hatten die Innenarchitekten zahlreiche Sitzgruppen aufgestellt, die zur Kommunikation einluden. Doch die eiligen Kunden nutzten das Angebot kaum. Aber Punks, Penner und sonstige Gammler, die nachmittags die Fußgängerzone bevölkerten, liebten die gepolsterten Sessel-Inseln unter großen Topf-Palmen. Besonders bei Regenschauern zog die vielköpfige Szene vom Lambertibrunnen gerne in das behagliche Atrium um.

Das war aber nicht im Sinne der Erfinder. Ein Rentner wurde eingestellt, um die ungebetenen Gäste regelmäßig zum Verlassen der Wohlfühlzone aufzufordern. Der Senior konnte das Hausrecht aber mangels körperlicher Autorität schlecht durchsetzen. Die Sparkassenleitung ersetzte ihn durch zwei humorbefreite Schwarzenegger-Typen mit dunklen Sonnenbrillen, die jede Gemütlichkeit unterbanden.

Mit dem Abriss von Sparkasse und Passage war das unerwünschte Straßenpublikum endgültig ohne beheizten Aufenthaltsraum.

Der Ruheraum der City-Alkis – bis die Schwarzeneggers kamen... und dann die Abrissbirne.

Münsters Zeitzeichen-Serie aus der na dann...
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Autor: Carsten Krystofiak

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