In dieser Woche vor 7 Jahren... geriet der 1. Mai außer Kontrolle.

Die Arbeiterbewegung etablierte den 1. Mai als traditionellen Demonstrationstag. Die Nationalsozialisten erhoben das Datum zum gesetzlichen Feiertag. Da Feiertage immer willkommen sind, behielt man die Regelung nach dem Krieg praktischerweise bei.

Da es heute keine klassische Arbeiterbewegung mehr gibt, füllt man den Tag inhaltlich mit dem Konsum von Alkohol in freier Natur. Besonders bei jungen Menschen kann das mangels Erfahrung und Training schnell danebengehen.

Ach menno, nichts darf man! Nichtmal die Natur vermüllen! Jeden Spaß müssen die Erwachsenen vermiesen!

Genau das geschah, als Münsters Jugend den Strand des Hiltruper Sees mittels sozialer Medien im Internet zur Partyzone ausrief. Rund eintausend Halbwüchsige aus der Region erschienen und alle hatten zuhause eine Flasche mit irgendwas Hochprozentigem mitgehen lassen. Daraus folgte eine kollektive Druckbetankung, die sich schnell und massiv auf die Nervensysteme der Jugend auswirkte. Schon nach kurzer Zeit mussten vier junge Schnapsleichen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Botanik war mittlerweile üppig mit Müll, Scherben und Erbrochenem dekoriert.

Eine ganze Hundertschaft Polizei löste die Koma-Orgie schließlich mit sanftem Druck auf. Da der Hiltruper See nach dieser Entgleisung im folgenden Jahr gesperrt wurde, wichen die trinkfreudigen Jugendlichen auf die Kanalinsel aus. Doch die Stadtverwaltung fand ein wirksames Vergrämungsmittel und machte die Feierfläche zur abgezäunten Biotop-Anpflanzung. Seitdem müssen sich die Kids woanders besaufen.

Autor: Carsten Krystofiak

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