In dieser Woche vor 132 Jahren... wurde das Radfahren verboten.

Münster und das Fahrrad: eine Symbiose. Der Münsteraner (homo velocipedorum monasteriensis) führt ein freies Leben im Fahrradsattel (falls ihm keine „SoKo Speiche“ auflauert). Schwingt sich der Münsteraner aufs Rad, wird im selben Augenblick die Straßenverkehrsordnung aus seinem Großhirn gelöscht.

„Münster morbid!“ vertreibt Radlerwesten mit der Aufschrift: „Fahrstil OK? 0800 - Du mich auch!“

Das war schon zu Anbeginn so, sodass sich die Polizei gleich nach Einführung der neuartigen „Velocipede“ genötigt sah, das wilde Treiben zu bändigen: Im Amtsblatt wurde der eigens geschaffene „§ 17 der Straßen-Polizeiordnung“ verkündet: „Es ist verboten, auf Fußwegen und Bürgersteigen auf Velocipeden zu reiten!“, Das Verbot betraf auch die Promenade - und wurde schon damals heiter ignoriert, denn auch damals war man mit dem Rad schneller, als ein Polizist zu Fuß.

Den Durchbruch als Fahrradstadt schaffte Münster Ende der 1920er Jahre. Der Stadtvermessungsdirektor Brand bezeichnete Münster erstmalig als „Stadt der Fahrräder“, denn während zu dieser Zeit in Deutschland statistisch jeder Vierte ein Rad besaß, war es in Münster bereits jeder Zweite. Neben Pferd und Straßenbahn war das Fahrrad das wichtigste Verkehrsmittel der Stadt.

Nur ein einziges Mal - um 2010 - wurde dieser Rang ernsthaft in Frage gestellt: Durch eine zweifelhafte Studie, die ausgerechnet Greifswald zur deutschen Fahrrad-City Nr. 1 erklärte. Doch wer hatte die Studie verfasst? - Die Uni von Münsters Erzrivalen Bielefeld! Also nicht ernstzunehmend.

Autor: Carsten Krystofiak

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