In dieser Woche vor 100 Jahren... verteidigten die Frauen ihre Räder.

Sieht aus wie Werbung anno 1917, ist aber zeitgenössische Kunst des Münsteraners Lars Wentrup.

Um im Ersten Weltkrieg an Gummi für die Reifen von Militärfahrzeugen zu kommen, setzte die Oberste Heeresleitung zunächst auf eine freiwillige Sammlung. Diese brachte aber in Münster nur ein sehr bescheidenes Ergebnis. Daraufhin forderten die Behörden die Münsteraner zur Ablieferung ihrer Fahrradreifen auf. Dabei spielten Münsters Hausfrauen, deren Männer im Krieg waren, aber nicht mit, denn das Fahrrad bedeutete Mobilität und die war wichtig, um bei Bauern Lebensmittel aufzutreiben, denn diese waren in den Läden der Stadt längst knapp und rationiert. Die Fahrräder wurden also in Kellern und Schuppen versteckt.

Nun versuchte es die Verwaltung mit dem Versprechen einer angemessenen Belohnung. Doch wieder waren die Frauen schlauer und misstrauten dem Geld, das durch die Lebensmittelknappheit an Kaufkraft verlor. Ein Rad war eindeutig die bessere Kapitalanlage.

Dann drohte die Militärbehörde mit Strafen und Beschlagnahmungen. Aber auch diese Maßnahme schreckte die Münsteranerinnen nicht ab, zumal die Hausfrau auf dem Fahrrad schneller war, als ein Polizist zu Fuß.

Nun zog die Regierung die Schrauben an und verschärfte nochmals die Strafen: Das Behalten eines Fahrrades wurde juristisch in die Nachbarschaft militärischer Sabotage gerückt. Die Damen blieben unbeeindruckt. Ende 1917 musste die Presse öffentlich zugeben, dass die Kampagne zur Abgabe der Fahrradreifen gescheitert war.

Autor: Carsten Krystofiak

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