In dieser Woche vor 109 Jahren... wurde Westfalen mit Sekt getauft.

Es war der schönste Tag in der Amtszeit von Eberhard von der Recke als Oberpräsident der preußischen Provinz Westfalen: Mit Frack und Zylinder ging es vom Regierungspräsidium am Domplatz zum Münsteraner Hauptbahnhof und in den Zug nach Wilhelmshaven. Dort erwartete ihn eine höchst repräsentative Aufgabe: Mit einer Pulle Sekt taufte er das neueste Schlachtschiff der kaiserlichen Marine auf den Namen „Westfalen“.

Im beliebten Café an der Kreuzschanze hing eine Hommage an den Seekrieg in Öl auf Leinwand.

Die 37 Mio. Reichsmark teure Westfalen und ihre drei Schwesterschiffe waren die Antwort auf die britischen Kampfschiffe der Dreadnought-Klasse (Dreadnought = Fürchtenichts). Eintausend Seeleute dienten auf dem Pott mit 12 Kanonen im Kaliber 28 Zentimeter. Bis zu 30 Zentimeter Stahl panzerten den Rumpf. Die Benennung nach der Provinz Westfalen galt als allerhöchste Auszeichnung. Von Hagen bis Hopsten, von Warendorf bis Bocholt warfen die Männer ihre Hüte in die Luft und riefen „Hurra, hurra, hurra!“

Der 150 Meter lange Stolz Westfalens nahm im Ersten Weltkrieg an der Seeschlacht im Skagerrak teil, bekam dort mehrere Geschütztreffer und einen Torpedo ab, sank aber nicht. Den Rest des Krieges verbrachte das Schiff in der Ostsee. Nach einer Kesselexplosion hatte die Westfalen nur noch Altmetallwert, trotzdem wurde sie von den Briten beschlagnahmt, damit sie zuhause eine Kriegsbeute vorweisen konnten. 1924 wurde sie im englischen Birkenhead bei Liverpool abgewrackt.

Autor: Carsten Krystofiak

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