In dieser Woche vor 121 Jahren... wurde der Kiepenkerl eingeweiht.

Der „städtische Verschönerungsverein“ wollte allen Kiepenkerlen des Münsterlandes ein Denkmal setzen und bestellte eine lebensgroße Sandstein-Statue, die an der Ecke Bergstr./Bogenstr. aufgestellt und zum beliebten Postkartenmotiv wurde.

Im Zweiten Weltkrieg benutzte die Nazi-Propaganda den Kiepenkerl für ein Durchhalte-Plakat, auf dem die Ikone mit westfälischer Sturheit den feindlichen Bomben trotzt. Tatsächlich überstand das Denkmal den Krieg wie durch ein Wunder unversehrt inmitten von Trümmern.
Erst die einrückenden Besatzer demolierten den Kiepenkerl aus Übermut.

Münsters Kiepenkerl ist der „Mega-Seeger“, liebt seine Kiepen-Kaline und hat eine Kiepe voll Merch.

Die Niederdeutsche Bühne engagierte sich für Ersatz: Der Münsteraner Bildhauer Albert Mazzotti lieferte eine Kopie aus Gusseisen. Da anlässlich des Deutschen Bauerntages in der Halle Münsterland zufällig der Bundespräsident in der Stadt war, nutzte man die Gelegenheit, ihn in ein Auto zu lotsen, zum Kiepenkerl zu fahren und zu überreden, die Plastik spontan offiziell einzuweihen – ein geglückter PR-Coup!

Während der zweiten Skulpturenausstellung 1987 ließ sich der amerikanische Künstler Jeff Koons in Münster vom Kiepenkerl zu einer Replik inspirieren. Seitdem steht vor dem Hirshhorn Museum an der National Mall in Washington eine 1:1-Kopie des Münsteraner Kiepenkerls aus Edelstahl. In den Cartoons des Rappers Ketzer hat der Kiepenkerl auch eine Freundin – die Kiepenkaline.

Autor: Carsten Krystofiak

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