In dieser Woche vor 130 Jahren... malte Modersohn den Aasee.

Otto Modersohn ist als „Moor-Maler“ und Mitbegründer der bedeutenden Künstler-Kolonie Worpswede bekannt. Doch sein Lieblingsmotiv war das Münsterland: In den Achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts stromerte der gebürtige Westfale aus Soest in den Ferien immer wieder um Münster herum und malte staubige Feldwege, Bauernkotten, Feuchtwiesen, Kuhweiden und Menschen, die zu Fuß auf beschwerlichen Pfaden unterwegs sind.

Solche Heimatbilder galten damals als Revolte gegen die akademischen Regeln der Kunst. Von der Presse wurde der junge Maler als „Apostel des Hässlichen“ beschimpft. Er dagegen erklärte, dass er seine kreative Kraft aus dem Versinken in die Natur schöpfe und er Schlichtheit und Verinnerlichung ausdrücken wolle. Seine Vorbilder waren Rembrandt und die frühen Vorläufer des Impressionismus.

Der Aasee auf Modersohns Bild ist nicht ausgetrocknet, sondern war noch gar nicht ausgehoben.

Modersohn schrieb 1887 in sein Tagebuch: „Westfalen habe ich als Hauptfundort für mich erkannt. Ich liebe Westfalen, auch seine Schwächen, unendlich. Es umschließt die seligsten meiner Stunden.“ Kein Wunder: Kein Verkehrslärm, keine What‘s App-Nachrichten, keine Downhill-Biker...

Die meist kleinformatigen Landschaftsbilder aus dem Münsterland sind Modersohns Frühwerk. Später kaufte er ein kleines Atelierhaus in Fischerhude, wo er bis zu seinem Tod im Zweiten Weltkrieg malte. Nach Münster kehrte er nicht mehr zurück.

Autor: Carsten Krystofiak

Archivtexte Zeitzeichen

Carsten Krystofiak Carsten Krystofiak

Weitere Beiträge 2018