In dieser Woche vor 96 Jahren... ...gründete sich Münsters NSDAP.

Fünf Radikalinskis einer soeben verbotenen Polit-Sekte um einen Münsteraner Büroleiter suchten ein neues Betätigungsfeld. Also schickten sie Aufnahmeanträge an die neue Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei in München. Kurz darauf schickte die Parteizentrale fünf Mitgliedsausweise zurück. Da aber die Mindestanforderung für die Gründung einer eigenen NSDAP-Ortsgruppe bei 30 Mitgliedern lag, wurden die Neuen aus Münster offiziell der Sektion München zugeschlagen. Das erwies sich als praktisch, denn als die NSDAP in Preußen verboten wurde, ging das die Münsteraner als bayerische Parteigenossen nichts an.

„Heil, Ihr Luschen!“ Die ersten Nationalsozialisten wirken noch ziemlich unzackig...

Schwieriger war die Suche nach einem Stammlokal: Von einer Kneipe in der Loerstraße wechselten die Proto-Nazis in ein Lokal am Rosenplatz, dann zur Neubrückenstraße, zum Alten Fischmarkt und schließlich zur Königsstraße. Da die Wirte angehalten waren, politische Extremisten polizeilich zu melden, nutzte man Decknamen wie „Verein für niedersächsische Geschichte“ oder „Interessengemeinschaft Nord“. Zur Tarnung gab sich die Gruppe eine Satzung, in der es hieß, sie stünde „fest auf dem Boden der Verfassung.“ Damit war aber nicht die Weimarer Verfassung gemeint, sondern die Parteiregeln der NSDAP. Das Versailler Diktat, die französische Besetzung des Ruhrgebietes, Turbo-Inflation und Wirtschaftskrise ließen die Mitgliederzahl von fünf auf 40 im Jahr 1925 und bis 1929 auf 150 ansteigen.

Autor: Carsten Krystofiak

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