In dieser Woche vor 114 Jahren... ...beleidigte der Schuldirektor Münster.

Wo heute am Aasee die Handwerkskammer steht, war früher die königlich-preußische Baugewerkschule, ein prächtiger Bau im Stil der Zeit. Der Stadtrat lobte den Neubau als „ausgezeichnet schön und gelungen“ und eine „Zierde für Münster“. Mitte Oktober sollte er feierlich eingeweiht werden.

Sooo schlimm sah sie nun wirklich nicht aus, die alte Baugewerkschule am Aasee...

Doch dann traf der Vertreter des städtischen Baurates, Bauassistent Meyer, bei einer Inspektion zufällig auf den Schuldirektor Dr. Meiring, dem der Bau offenbar nicht gefiel. Es kam zum Eklat: Meiring bezeichnete „die Ausführung des Baues als mangelhaft und schlecht“.

Er erteilte dem Vertreter des Baurates Hausverbot und forderte einen Bediensteten auf, ihn hinauszuwerfen. Laut Protokoll schimpfte Meiring: „Der Stadtbaumeister versteht nichts, der Baurat ist ein Einfaltspinsel, der auch nichts versteht und überhaupt, der ganze Magistrat und ganz Münster sind eine Bummelei!“.

Weiter heißt es in einem Zeitungsbericht: „Die Angelegenheit kam in der Stadtverordnetenversammlung zur Sprache.“ Dort ging es rund! Zunächst wurde der Festakt zur Einweihung abgesagt. „Die Abgeordneten schlugen kräftige Töne an“ und forderten, „den Schulleiter los zu werden.“ Der Bürgermeister „kennzeichnete den Vorgang als unerhörte Beleidigung, die zu redressieren es schon Mittel und Wege gebe“ und drohte: „Es ist bereits alles veranlasst, um Genugtuung herbeizuführen!“. Von Direktor Meiring hörte man nie wieder...

Autor: Carsten Krystofiak

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