In dieser Woche vor 84 Jahren... ...kam es zu einem kuriosen Prozess.

Nachdem die Nationalsozialisten an der Macht waren, installierten sie im ganzen Land Konzentrationslager, in denen politische Gegner verschwanden, die so dem Zugriff des Rechtsstaates entzogen waren. Umso erstaunlicher war ein Strafprozess in Osnabrück:

Das Naturkundemuseum war früher im alten Zoo. Warum der Direktor verschleppt wurde, ist unbekannt.

Aus unbekannten Gründen war der Leiter des Münsteraner Naturkundemuseums mit den Nazis kollidiert und man verschleppte ihn ins KZ Esterwege im Emsland.

Zwei Rechtsanwälte bemühten sich um seine Freilassung und zeigten einige Aufseher wegen brutaler Misshandlung von Häftlingen an. Zwei mutige Staatsanwälte nahmen Ermittlungen auf.

Das war nur aus zwei Gründen möglich: Im Land Preußen unterstanden die Lager formal dem Staat, sodass die Gerichte juristisch zuständig waren. Außerdem kam dem preußischen Ministerpräsidenten Göring die Sache gelegen, weil er mit SS-Chef Himmler in einem Kompetenzstreit um die Polizeihoheit lag.

Beim Prozess sagten KZ-Häftlinge als Zeugen aus und einige SS-Bewacher wurden zu Gefängnisstrafen von mehreren Monaten verurteilt. Die Staatsanwälte waren kurioserweise selbst Mitglieder der NSDAP! Hitler tobte und verbot weitere Verfahren und jede Berichterstattung über den Prozess.

Es war die letzte Zuckung des Rechtsstaates, aber wenigstens hielten sich die Wachmannschaften eine Weile mit den Misshandlungen zurück.

Autor: Carsten Krystofiak

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