In dieser Woche vor 108 Jahren... ...verlor Münster ein Original.

Bekannte Münster-Originale wie Hermann Landois oder der Baron von Romberg („toller Bomberg“) strickten schon zu Lebzeiten als PR-Genies in eigener Sache an ihren Legenden, um sich einen Platz in Münsters Promi-Garde zu sichern. Felix Maria Harpenau kam dagegen unfreiwillig zu diesem Ruhm.

Zu seinem Verdruss beömmelten sich die Münsteraner hinter seinem Rücken über den übereifrigen Polizisten Harpenau.

Harpenau war Polizist und was für einer! Sein grotesker Übereifer und seine Vernarrtheit in Dienstvorschriften waren schon damals Anlass unzähliger Witze über ihn. Er galt als lebende Karikatur des preußischen Beamten.

Das führt zu einer bunten Legendenbildung: Die Münsteraner erzählten sich wiehernd, er habe seine eigene Frau wegen Ruhestörung angezeigt, weil sie während seines mittäglichen Nickerchens Teppiche ausgeklopft hatte.

Ein anderes Mal sollen ihn Saufkumpels nach einer Kneipentour in einer Schubkarre nach Hause gefahren und vor seinem Haus ausgekippt haben, wo seine Frau ihn stockblau und schnarchend vorfand. Nachdem sie ihn unsanft mit dem obligatorischen Nudelholz traktierte, habe Harpenau seine Gattin wegen „Widerstand gegen die Staatsgewalt“ drei Tage in der Arrestzelle inhaftiert.

Mit solchen Stories schaffte es Harpenau schließlich in den Münster-Olymp und wurde Teil der Folklore. Bei Pinkus Müller steht eine hölzerne Denkmal-Figur; beim karnevalistischen „Tennengericht“ des Paohlbürger-Vereins gehört er zu den auftretenden Charakteren.

Autor: Carsten Krystofiak

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