In dieser Woche vor 147 Jahren... ...erschien die Hetzschrift.

August Rohling aus der Nähe von Steinfurt studierte in Münster Theologie, wurde zum Priester geweiht und erhielt eine Ehrenprofessur an der Uni. Nach vielen Auslandsaufenthalten und Anstellungen u.a. in Paris, Prag, Milwaukee und Salzburg, kehrte er zurück und veröffentlichte in Münster sein Traktat „Der Talmudjude.“

Darin behauptet Rohling, dass Juden zum Pessachfest christliche Kinder entführen und töten, sowie christliche Symbole, vor allem Hostien, schänden. Rohling „belegte“ seine Ausführungen mit angeblichen Talmud-Zitaten. Damit gab er dem alten landläufigen Antisemitismus eine wissenschaftlich verbrämte Form.

Die antijüdische Hetzschrift aus Münster fand in ganz Europa treue Leser und diente dem „Stürmer“ als Quelle.

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung wurde Rohling in einem Gutachterstreit vor Gericht als Scharlatan entlarvt, der den Talmud gar nicht lesen konnte. Darauf verlor er seine Lehrberechtigung und der Vatikan setzte seine Schriften auf den Index. Zu spät: Insbesondere die Legende jüdischer Ritualmorde an christlichen Kindern fand weite Verbreitung und hielt sich hartnäckig.

Das nationalsozialistische Kampfblatt „Der Stürmer“ griff die „Beweise“ aus Rohlings Münsteraner Hetzschrift wieder auf und erklärte sie zur Staatsdoktrin. Heute lebt Rohlings Ungeist vor allem im „anti-imperialistischen“ und islamischen Antisemitismus fort.

Autor: Carsten Krystofiak

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