In dieser Woche vor 26 Jahren... ...begann Münsters Geburtstagsparty.

Nach 1200 Jahren wurd‘s auch mal Zeit für neue Kanaldeckel...

1993 rief die Stadt Münster ihr 1200jähriges Bestehen aus. Das ganze Jahr stand im Zeichen des Jubiläums. Und das, obwohl kein schriftlicher Beweis für das Datum existiert: Eine Gründungsurkunde gibt es nicht – aber einen Brief aus dem Jahr 805, in dem von der Bischofsweihe Liudgers die Rede ist. In einem späteren Buch heißt es, Liudger habe zwölf Jahre vor seiner Ernennung an seinem späteren Bischofssitz Münster ein Kloster gegründet und sich dort niedergelassen. Also musste man vom Jahr 805 nur 12 Jahre zurückrechnen, um das Jahr 793 als offizielles Gründungsjahr zu ermitteln. Ob das alles wirklich so einfach hinhaut? Egal, den Anlass für ein rundes Jubiläum wollte man sich nicht entgehen lassen. Rund tausend Initiativen und Komitees veranstalteten fast ebenso viele festliche Veranstaltungen, die ganze Stadt feierte sich selbst. Zudem erschien eine umfassende Münster-Chronik in drei ziegelsteinschweren Bänden mit insgesamt über zweitausend Seiten, in der jedes Fahrrad, dass im Laufe von Münsters Geschichte umgefallen ist, exakt dokumentiert ist. Als Persiflage auf das Jubiläum drehten Stammgäste des legendären Clubs „Odeon“ an der Frauenstraße mit technischer Unterstützung der Kunstakademie einen Trash-Krawall-Film mit dem Titel „1200 Jahre Odeon“, in dem auch Götz Alsmann eine witzige Rolle spielt.

Autor: Carsten Krystofiak

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