In dieser Woche vor 485 Jahren... ...standen drei Sonnen am Himmel.

Jan Matthys, der Predigerstar der Wiedertäufer, kam aus den Niederlanden nach Münster und setzte sich an die Spitze der Bewegung. Zusammen mit Jan van Leyden wohnte er im Haus von Bernd Knipperdollinck, der von ihnen einen Intensivkurs im Endzeitpredigen bekam.

Doch plötzlich verbreitete sich das Gerücht, dreitausend Soldaten des Bischofs seien im Anmarsch auf Münster, um dem Wiedertäuferwesen ein Ende zu machen. Anhänger und Gegner der Täufer stritten darum, wie zu reagieren sei. Unterdessen traf der Wolbecker Amtmann Dirk von Merveldt in der Stadt ein und kündigte das Erscheinen des bischöflichen Heeres an. Tatsächlich tauchen am nächsten Morgen starke Landsknechtstruppen vor den Mauern auf.

Plötzlich sah der Himmel über Münster aus wie auf Tatooine...

Doch nun kam es zu einem bizarren Naturschauspiel: Durch extreme Himmelsphänomene erschienen Wolken über dem feindlichen Heer, die wie Feuer und Rauch oder wie ein Reiter mit erhobenem Schwert aussahen. Ein weiterer Wetter-Effekt ließ scheinbar drei Sonnen gleichzeitig am Himmel stehen. Allgemein wurden diese Phänomene als göttliches Eingreifen zugunsten der Wiedertäufer interpretiert, was der Bewegung starken Auftrieb gab.

Zwei Wochen später gewannen sie die Ratswahl und beherrschten damit die Stadt…

Autor: Carsten Krystofiak

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