In dieser Woche vor 41 Jahren... ..wurde Münster entführt.

Die Lufthansa-Maschine mit dem Namen „Münster“ war gerade in Frankfurt/Main gestartet, als ein Mann die Cockpittür aufriss und forderte, dass das Flugzeug in Köln/Bonn landet – das war allerdings sowieso das reguläre Ziel! Es folgte die wohl seltsamste Flugzeugentführung aller Zeiten...

Heute führt kein Lufthansaflugzeug mehr den Namen Münster.

Nach der Landung verlangte der Entführer mit der Spielzeugpistole, dass Bundeskanzler Helmut Schmidt zu ihm kommt. Der aber schickte seinen Minister Wischnewski, der schon die Flugzeugterroristen der „Landshut“-Entführung im Jahr zuvor erfolgreich ausgetrickst hatte. Wiederholte sich jetzt ein Terrordrama mitten in Westdeutschland?

Doch stattdessen übergab der Entführer Raphael Keppel, kein Student, sondern Bergbau-Elektroschweißer, dem Minister ein 98-seitiges Pamphlet mit Forderungen, von Umweltschutz über Mutterschutz bis Renten-erhöhung. Wischnewski sagte, die meisten Punkte sähe die Bundesregierung genauso.

Keppel gibt auf und weil er mit seiner Festnahme gerechnet hatte, hat er schon eine Zahnbürste eingesteckt. Nach kurzer Haft nimmt er eine Single auf (ohne Erfolg) und wird Mitglied der Grünen, die ihn aber von der Kandidatenliste streichen. Daraufhin wanderte er auf die Fidschi-Inseln aus.

Autor: Carsten Krystofiak

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