In dieser Woche vor 40 Jahren... ...entstand der Aegidiimarkt.

An der Kreuzng Aegidiistraße/Johannisstraße war im Mittelalter ein Kloster. Später entstand hier eine große Kaserne, von der während des Revolutionsversuchs 1918 in Münster die Unruhen ausgingen.

Lange nur ein Parkplatz: Aegidii- markt vort der Bebauung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kaserne zerstört. Die freie Fläche wurde als Parkplatz genutzt. Erst Ende der Siebziger bebaute man die Freifläche: Der „Aegidiiimarkt“ war ein ambitioniertes Bauprojekt im Stil der Achtziger. Wegen der roten Kacheln bekam das Ensemble den Spitznamen „Der rote Platz“. Doch zunächst sorgte die Baugrube für Ärger, denn der Eingriff in den Grundwasserspiegel verursachte Risse am Dom. Im 10. Untergeschoss des Parkhauses bot ein Atombunker Zuflucht für dreitausend Personen - es war schließlich Kalter Krieg. Das „Palmencafé“ in der Glasbrücke am Hauptportal wurde zum angesagtesten Café der Stadt und verfügte sogar über einen Pianisten, der das Kuchengabelklappern dezent begleitete. Die prominenteste Bewohnerin des Aegidiimarktes war Marga Spiegel, die als verfolgte Jüdin während des Krieges von Münsterländer Bauernfamilien vor der Gestapo versteckt worden war und ein Buch über ihre Geschichte schrieb. Die abertausenden roten Kacheln sind heute ein Sanierungsfall und werden seit Jahren Stück für Stück einzeln überprüft und ersetzt.

Autor: Carsten Krystofiak

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