In dieser Woche vor 20 Jahren… streikten die Busfahrer.

Hier wird nix verkauft!

Die Stadtwerke sind als kommunaler Energieversorger und Verkehrsbetrieb eine Unternehmenstochter der Stadt Münster und zählen somit zum städtischen „Tafelsilber“. In der allgemeinen Euphorie der Neunziger Jahre für New Economy, Globalisierung und Privatisierung empfahlen fortschrittliche Politiker und weise Wirtschaftsprofessoren der Uni, den Verkauf der Stadtwerke an ein gewinnorientiertes Privatunternehmen.
Es entstand eine seltsame Situation: Stadtverwaltung, „Experten“ und die Geschäftsführung der Stadtwerke selbst waren vehement für den Verkauf – die Beschäftigten und Kunden der Stadtwerke ebenso vehement dagegen. Sie ahnten die Folgen: Stellenabbau, Lohnkürzung und Preissteigerung.

Zu Ostern streikten die Busfahrer als Protest gegen die Privatisierungspläne und schwammen auf einer hohen Welle der Sympathie, obwohl der öffentliche Personenverkehr zusammenbrach.
Ein erzwungener Bürgerentscheid ließ die Verkaufsphantasien zerplatzen – die Münsteraner wollten ihre Stadtwerke behalten. Stadtwerke-Chefs und Wirtschafts-Profs waren sauer und beschimpften die Münsteraner in den Medien.
Andere Städte, die ihre Versorgungsstrukturen damals verkauften, haben diese längst teuer zurückgekauft.

Autor: Carsten Krystofiak

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