In dieser Woche vor 8 Jahren …

…sprang der Unbekannte.

Ein eiskalter Abend Anfang September: Ein Mann steigt über die Brüstung des Parkhauses am Alten Steinweg und springt! Eine Passantin versucht beherzt, Erste Hilfe zu leisten, doch die inneren Verletzungen sind zu schwer – der Mann ist tot.

Polizei und Gerichtsmedizin versuchten nun, Aufschluss über die Personalien des Selbstmörders zu gewinnen. Eine „dritte Hand“ konnte ausgeschlossen werden. Doch der Tote gab seine Identität nicht preis: Keine gespeicherten Fingerabdrücke, kein Treffer in einer DNA-Datenbank, keine Tattoos, nicht mal eine Blinddarm-Narbe. Keine Schlüssel, keine Papiere, kein Handy.

Die Polizei schickte seinen Gebissabdruck an Dutzende Münsteraner Zahnärzte – ohne Befund. Es meldeten sich keine Angehörigen, kein Arbeitgeber, keine Freunde. Niemand schien den Unbekannten zu vermissen.

Die Beamten zogen die Kleidung des Toten einer Schaufensterpuppe an, montierten mit Photoshop das Gesicht des Unbekannten hinein und veröffentlichten ein Foto davon in der Lokalpresse. Das war vor acht Jahren. Seitdem hat sich niemand gemeldet. „Der Tote vom Parkhaus am Alten Steinweg“, wie der Selbstmörder seitdem in Münster genannt wird, bleibt ein Fragezeichen.

Dieses Bild veröffentlichte die Polizei…

Ende Februar wurde er auf dem Waldfriedhof Lauheide beerdigt. Die Bestattungskosten beglich das Ordnungsamt.

Autor: Carsten Krystofiak

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