In dieser Woche vor 52 Jahren…

…fiel der Krawall aus.

Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger war als Regierungschef der ersten Großen Koalition bei linken Studenten ausgesprochen unpopulär. Vor allem hielt man ihm seine Mitgliedschaft in der NSDAP während des Dritten Reiches vor. Zwar waren unter den sieben Mio. ehemaligen Parteigenossen auch SPD-Minister und Spiegel-Redakteure, aber an Kiesinger pappte der braune Button besonders hartnäckig.

Darum zog die Präsenz des „Notstands-Kanzlers“ beim Kramermahl im Rathaus am Prinzipalmarkt eine große Zahl von Demonstranten an. Münsters Polizei wurde auf dem falschen Fuß erwischt und agierte leicht hilflos, was die APO-Aktivisten dankbar ausnutzten.

Bei der anschließenden Manöverkritik stand fest: Das sollte nicht noch einmal passieren – denn nur vier Wochen später war Kiesinger schon wieder da, beim Deutschen Bauerntag in der Halle Münsterland. Diesmal wollte die Polizei vorbereitet sein und den „langhaarigen Gammlern“ keine Chance lassen. Die Halle Münsterland war im Belagerungszustand – doch kein Demonstrant zeigte sich.

Der dritte Kanzler war eher unpopulär…

„Die Halle glich einer Festung, doch der Krieg fand nicht statt“, schrieb die Lokalpresse mit amüsiertem Unterton über die operettenreife Vorstellung. Während die Münsteraner nach dem Sturm aufs Kramermahl noch über die Zurückhaltung der Polizei geschimpft hatten, störte sich die Öffentlichkeit jetzt an dem massiven Aufgebot…

Autor: Carsten Krystofiak

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