In dieser Woche vor 173 Jahren…

…war „Vormärz“ in Westfalen.

Die nationalliberale „Märzrevolution“, die eine deutsche Einheit und Bürgerrechte forderte, erfasste im Jahr 1848 auch Westfalen. Damals ging es nicht um den Hambacher Forst, sondern das Hambacher Fest…

Im Sauerland kam es zu Ausschreitungen gegen Feudalherren, in Iserlohn zu blutigen Straßenschlachten. In Tecklenburg eskalierten Konfessions-Konflikte. In Münster konstituierte sich ein revolutionärer Verein aus Handwerkern und forderte den Stadtrat auf, ihnen Waffen auszuhändigen. Darauf wurde man in der Bezirksregierung hellhörig und wies Münsters Magistrat an, den Antrag abzulehnen: Eine Aufstellung als bewaffnetes Corps sei ungesetzlich, außerdem wünsche man nicht, bewaffneten Bürgern in die Hände zu fallen.

Die Anhänger der „Democrathie“ scheinen sich zunächst damit abgefunden zu haben. Doch im weiteren Verlauf des Jahres kam es in Münster noch zu mehreren Tumulten, vor allem wegen der „Mahl- und Schlachtsteuer“ auf Grundnahrungsmittel. Diese gipfelten nach gegenseitigen verbalen Provokationen in einem Gefecht zwischen Arbeitern und Soldaten, das etliche Schwerverletzte forderte und sich am nächsten Tag auf dem Prinzipalmarkt fortsetzte.

Der Dude von der Sektflasche machte mit der Revolution Schluss.

Doch Metternichs Reaktion rollte die Revolte auch hier zurück. Es zog wieder Biedermeier-Ruhe ein.

Wortwitz aus dem Münster-Tatort:
„Unsere Verbindung besteht seit dem Vormärz!“
Thiel: „Also seit Februar?“



Autor: Carsten Krystofiak

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