In dieser Woche vor 5 Jahren...

…fand man den Untoten.

Der Bereich des heutigen Schulhofes der Gesamtschule Mitte – zwischen Jüdefelder Straße und Frauenstraße – ist ältestes Münsteraner Siedlungsgebiet. Hier entstand die Siedlung Mimigernaford am Aaufer, hier feuerten die Wiedertäufer vom Dach der Überwasserkirche auf die Truppen des Bischofs, hier stand bis Kriegsende das berüchtigte Masematte-Viertel Tasche-Brink-Ribbergasse („ – Messerstecher erster Klasse“).

Bei Ausgrabungen im Zuge des Neubaus der Schulmensa legten Archäologen u.a. das „Zwölfmännerhaus“ frei, Münsters mittelalterliches Armenhaus. Doch ein Fund wurde zur Grusel-Sensation: Der „Untote“. In den Überresten eines frühzeitlichen Müllplatzes fand man das Skelett eines jungen Mannes von 1,70 m Größe. Er war auf dem Bauch begraben worden, mit dem Gesicht nach unten und außerdem in Nordrichtung statt der üblichen Ost-West-Achse.

Hier fand das Grabungsteam den Untoten.

Damit wollten die Menschen des Mittelalters sicherstellen, dass der Tote nicht wiederkehrt und die Seelen der Lebenden in das Totenreich hinabzieht. Die Praxis wurde bei Selbstmördern, Verbrechern und Ausgestoßenen angewendet. Der mutmaßliche Vampir von Überwasser ist der bisher einzige Fund dieser Art.

Jahrhunderte nach seiner Bestattung wurde er auf einen Friedhof umgebettet – in normaler Liegeposition. Ob das klug war? Safety first! ;-)

Autor: Carsten Krystofiak

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