Von Carsten Krystofiak

In dieser Woche vor 90 Jahren...

…gab‘s mal wieder Nazirandale.

Die Republik war in Auflösung. Noch ein Jahr trennte die Nationalsozialisten von der politischen Macht. Saal- und Straßenschlachten waren an der Tagesordnung, auch in Münster. Zwischen rotem Klassenkampf und braunem Rassenkampf stand die Polizei zunehmend auf verlorenem Posten.

Ein normaler Frühlingstag: Am Nachmittag überfallen Nationalsozialisten an der Kreuzschanze einen Werbetrupp der Kommunisten und erbeuten deren Flugblätter. Darauf kreuzen Kommunisten vom „Kampfbund gegen den Faschismus“ vor der Mitgliederküche der SA am Kreuztor auf. Sie wollen die Flugblätter gewaltsam zurückholen. Ein Kommunist wird mit einem Fleischerbeil am Kopf verletzt.

Am späten Abend sind einige NSDAP-Anhänger auf der Promenade unterwegs. Zwischen Mauritz- und Hörstertor werden sie von Kommunisten überfallen. Zwei Nationalsozialisten werden durch Messerstiche in die Lunge schwerverletzt.

Letzte Zuckung des Rechtsstaates: Für die verbotenen Waffen gab es Strafanzeigen.

In der Nacht kontrolliert eine Polizeistreife einen Trupp SA-Leute, die auf der Suche nach Kommunisten zwischen Mariental und Wienburg herumstreunen. Bei zwei Nationalsozialisten werden verbotene Waffen gefunden. Eine Wohnungsdurchsuchung in der Kellermannstraße im Kreuzviertel fördert noch mehr zutage.

Der Polizeibericht des Tages endet mit: „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

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